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<title>Postkorb-Fallstudie</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Postkorb-Fallstudie</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die <b>Postkorb-Fallstudie</b> ist ein bei <a href="Assessment-Center" title="Assessment-Center">Assessment-Centern</a> verwendetes <a href="Test" title="Test">Testverfahren</a>, die Arbeitsfähigkeit und Effektivität eines Bewerbers unter zeitlichem <a href="Stress" title="Stress">Stress</a> zu untersuchen. In der ursprünglichen Paper-Pencil-Methode erhält der Bewerber einen gefüllten Postkorb, der „typische“ fiktive Schriftstücke aus dem Akteneingang des betreffenden Unternehmens enthält. Dies können Schreiben, Bestellungen, Aktennotizen von Mitarbeitern und Kollegen, Einladungen zu Veranstaltungen und Ähnliches sein. Häufig wird auch ein <a href="Organigramm" title="Organigramm">Organigramm</a> des Unternehmens, ein Kalender oder dergleichen beigefügt. Die einzelnen Vorgänge sind dann vom Kandidaten innerhalb einer vorgegebenen Zeit abzuarbeiten, in der für jeden davon eine Entscheidung zu treffen ist, wie etwa „sofort erledigen“, „zurückstellen“, „vorläufige Maßnahmen treffen“, „weitere Informationen einholen“, „an Mitarbeiter delegieren“, „ignorieren“ usw. Maßgeblich sind hierbei u.&nbsp;a. die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Sache (vgl. <a href="Eisenhower-Methode" class="mw-redirect" title="Eisenhower-Methode">Eisenhower-Methode</a>), die Verfügbarkeit von Personal- und Sachressourcen, die Kollisionen mit anderen im Postkorb enthaltenen Aufgaben und Ähnliches. Am Ende sind die Entscheidungen den Bewertern zu präsentieren oder der Bewerber wird entsprechend nach den vorher in einer <a href="Anforderungsprofil" title="Anforderungsprofil">Anforderungsanalyse</a> festgelegten Kriterien bewertet.
</p><p>Wesentliche Eigenschaften, die bei der Postkorb-Fallstudie geprüft werden, sind das Organisationsgeschick, das Analysevermögen, das Arbeiten unter <a href="Zeitdruck" class="mw-redirect" title="Zeitdruck">Zeitdruck</a>, die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen, die Handlungsorientierung (<a href="Arbeitsorganisation" title="Arbeitsorganisation">Arbeitsorganisation</a>) und das unternehmerische Denken. Wichtige Arbeitseigenschaften wie Sachkenntnis, Kreativität, soziale und kognitive Kompetenz werden durch den Test nicht erfasst. Er wird meist zur Besetzung von Stellen im unteren Management oder für Sachbearbeiter verwendet.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="EDV-Postkörbe"><span id="EDV-Postk.C3.B6rbe"></span>EDV-Postkörbe</h2></div>
<p>Für Postkorbverfahren wurden in den letzten Jahren einige computerunterstützte Programme entwickelt und diese finden zunehmend auch Anwendung in der Individualdiagnostik. Bei diesen computerbasierten Varianten wird eine hohe Standardisierung der Durchführung und Auswertung erzielt. Der so genannte elektronische Postkorb kann durch leistungsfähige Technik mittlerweile einen so hohen Realitätsgrad aufweisen, dass in der Literatur immer häufiger von einer PC-gestützten Arbeitsprobe denn von einem normalen Test gesprochen wird.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vorteile">Vorteile</h3></div>
<ul><li><i>sekundenschnelle Auswertung</i> der Ergebnisse direkt im Anschluss an die Durchführung (besonders aus testtheoretischer Perspektive wichtig; Verzerrungen der Testergebnisse durch <a href="Beurteilungsfehler" title="Beurteilungsfehler">Beurteilungsfehler</a> verhindert; maximale Auswertungsobjektivität, höhere <a href="Reliabilit%C3%A4t" title="Reliabilität">Reliabilität</a> und <a href="Objektivit%C3%A4t" title="Objektivität">Objektivität</a>)</li>
<li><i>Dynamik</i> realisierbar (E-Mails können zeitgesteuert im Laufe der Bearbeitungszeit eintreffen oder eine Sounddatei kann beispielsweise einen Anruf simulieren)</li>
<li>komplexe <i>Grafiken</i>, sortierbare <i>Tabellen</i>, <i>Diagramme</i>, aber auch <i>Video</i>- oder <i>Audio</i>nachrichten können als weiterer Input dienen</li>
<li><i><a href="Validit%C3%A4t" title="Validität">Validität</a></i> und auch die <i>Akzeptanz</i> der Übung werden deutlich gesteigert. Hartung und Schneider (1995) fanden in groß angelegten Fragebogenstudien heraus, dass der Schwierigkeitsgrad der Inhalte von EDV-Aufgaben gegenüber den Paper-Pencil-Varianten mit 72&nbsp;% zwar als überdurchschnittlich anspruchsvoll befunden wurde, die Übungen aber auch für Computerlaien einfach und sicher zu bedienen waren (91&nbsp;%).</li>
<li><i>gesteigerte Ökonomie</i> (zeitliche Ersparnis, objektive Auswertung)</li>
<li><i>Anpassungen</i> eines bereits bestehenden Postkorbs an ein neues Unternehmen oder neue Anforderungen sind auf digitalem Weg schneller durchführbar</li>
<li><i>Realitätsnähe</i>: EDV-Darbietung entspricht sehr der heutigen Arbeitsumgebung, was eine gesteigerte <a href="Augenscheinvalidit%C3%A4t" class="mw-redirect" title="Augenscheinvalidität">Augenscheinvalidität</a> und Akzeptanz nach sich zieht</li>
<li><i>Prozessvariablen können erfasst werden</i> (z.&nbsp;B. die Herangehensweise der Testperson im Zeitverlauf gesehen)</li>
<li>automatische <i>Ergebnisberichte</i> können im Anschluss sofort erstellt werden und z.&nbsp;B. im <a href="Corporate_Design" title="Corporate Design">Corporate Design</a> gehalten werden</li>
<li>kein Papieraufwand, bessere Archivierungsmöglichkeiten</li>
<li>Daten können schnell in größerem Zusammenhang berechnet werden</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Nachteile">Nachteile</h3></div>
<ul><li><i>originelle Lösungsstrategien</i> finden nur schwer Berücksichtigung, sofern nicht im Anschluss ein Interview stattfindet, da Antworten größtenteils vorgegeben sind und vom Teilnehmer nur noch ausgewählt werden müssen bzw. Freitext eingegeben werden kann, der aber schwer auszuwerten ist</li>
<li><i>Anschaffung von Laptops oder PCs</i> nötig (je nachdem, wie viele Teilnehmer parallel getestet werden sollen)</li>
<li>es existieren <i>kaum Validierungsstudien</i> über Postkörbe (eine Ausnahme ist Srbeny, 2008<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>), was ihre prognostische Güte eher fragwürdig erscheinen lässt</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>M. T. Brannick, C. E. Michaels, D. P. Baker: <i>Construct validity of in-basket scores.</i> In: <i>Journal of Applied Psychology.</i> Band 74, 1989, S. 957–963.</li>
<li>J. M. Dukerich, F. J. Milliken, D. A. Cowan: <i>In-basket exercises as a methodology for studying information-processing.</i> In: <i>Simulation, Gaming.</i> Band 21, 1990, S. 397–410.</li>
<li>N. Frederiksen: <i>Validation of a simulation technique.</i> In: <i>Organizational Behavior and Human Performance.</i> Band 1, 1966, S. 87–109.</li>
<li>R. W. T. Gill: <i>The in-tray (in-basket) exercise as a measure of management potential.</i> In: <i>Journal of Occupational Psychology.</i> Band 52, 1979, S. 185–197.</li>
<li><a href="Joachim_Funke_(Psychologe)" title="Joachim Funke (Psychologe)">J. Funke</a>: <i>Computer-based testing and training with scenarios from complex problem-solving research: Advantages and disadvantages.</i> In: <i>International Journal of Selection and Assessment.</i> Band 6, 1998, S. 90–96.</li>
<li>S. Hartung, I. Schneider: <i>Entwicklung und Anwendung computersimulierter Szenarien.</i> In: B. Strauß, M. Kleinmann (Hrsg.): <i>Computersimulierte Szenarien in der Personalarbeit.</i> Hogrefe, Göttingen 1995, S. 219–236.</li>
<li>R. Horn: <i>Mailbox: A computerized in-basket task for use in personnel selection.</i> In: <i>European Review of Applied Psychology.</i> Band 41, 1991, S. 325–327.</li>
<li>O. Kliem: <i>Die Postkorbübung als Test- und Trainingsinstrument.</i> In: <i>Personal.</i> Band 5, 1983, S. 193–196.</li>
<li>H. H. Meyer: <i>The validity of the in-basket test as a measure of managerial performance.</i> In: <i>Personnel Psychology.</i> Band 23, 1970, S. 297–307.</li>
<li>J. Musch, W. Lieberei: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="http://psydok.sulb.uni-saarland.de/frontdoor.php?source_opus=321">Eine auswertungsobjektive Postkorbübung für Assessment Center</a>.</i> In: <i>Berichte aus dem Psychologischen Institut der Universität Bonn.</i> Band 23, 1997, S. 1–23. (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/321/pdf/BoBe1997_1.pdf">PDF; 0,2 MB</a>)</li>
<li>J. Musch, B. Rahn, W. Lieberei: <i>Bonner Postkorb-Module (BPM): Die Postkörbe CaterTrans, Chronos, Minos und Aerowings.</i> Hogrefe, Göttingen 2001.</li>
<li>J. Musch, B. Rahn, W. Lieberei: <i>Bonner Postkorb-Module (BPM).</i> In: W. Sarges, H. Wottawa (Hrsg.): <i>Handbuch wirtschaftspsychologischer Testverfahren.</i> Band 1: <i>Personalpsychologische Instrumente.</i> 2. Auflage. Pabst, Lengerich 2005, S. 191–195.</li>
<li>C. Obermann: <i>Assessment Center. Entwicklung, Durchführung, Trends.</i> Gabler, Wiesbaden 2006.</li>
<li>M. Riediger, H. Rolfs: <i>Instrumente der Arbeits- und Organisationspsychologie. Computergestützte Postkorbverfahren: Mailbox’90, PC-Office und PC-Postkorb "Seeblick".</i> In: <i>Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie.</i> Band 42, 1998, S. 43–50.</li>
<li>F. Roest, R. Horn: <i>Mailbox-90: Computerunterstützte Diagnostik im Assessment-Center.</i> In: <i>Diagnostica.</i> Band 36, 1990, S. 213–219.</li>
<li>J. P. Rolland: <i>Construct validity of in-basket dimensions.</i> In: <i>European Review of Applied Psychology-Revue Europeenne De Psychologie Appliquee.</i> Band 49, 1999, S. 251–259.</li>
<li>J. Schippmann, E. Prien, J. Katz: <i>Reliability and validity of in-basket performance measures.</i> In: <i>Personnel Psychology.</i> Band 43, 1990, S. 837–859.</li>
<li>C. Srbeny: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.crewsandcaptains.com/jdownloads/Diplomarbeit_Srbeny.pdf">Der computergestützte Postkorb KI.BOX – eine Validierungsstudie</a>.</i> Köln 2008. (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.crewsandcaptains.com/jdownloads/Diplomarbeit_Srbeny.pdf">PDF; 4,2 MB</a>)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Srbeny, 2008. <span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://deadurl.invalid/http://www.ki-bit.com/web/component/option,com_docman/task,doc_download/gid,100/Itemid,62/">@1</a></span><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.ki-bit.com/web/component/option,com_docman/task,doc_download/gid,100/Itemid,62/">@2</a></span><span style="display:none">Vorlage:Toter Link/www.ki-bit.com</span> <small>(Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. <a rel="nofollow" class="external text" href="http://timetravel.mementoweb.org/list/2010/http://www.ki-bit.com/web/component/option,com_docman/task,doc_download/gid,100/Itemid,62/">Suche in Webarchiven</a>)</small></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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